2013

Endlich wieder frei beraten. Von Stefan Terliesner, Fonds Professionell, Ausgabe 4/2013

Scharenweise wechseln aktuell Bankberater zu Vermögensverwaltern oder
machen sich als solche selbstständig.

Sprung geschafft: Zwei Bankberaterinnen, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und geschafft haben, sind Inge Schäfer-Schmidbauer und Isolde K. Regensburger. Die Schäfer Regensburger Vermögensmanagement GmbH & Co. KG mit Sitz in Münster wurde 2011 gegründet. Ein schickes Büro gibt es nicht. „Wir arbeiten im Home Office und bei unseren Kunden“, sagt die Vermögensverwalterin. Regelmäßig reisen beide Frauen gemeinsam zu ihren Kunden; dies sind vor allem reiche Unternehmerfamilien und Stiftungen. Inge Schäfer- Schmidbauer war es leid, am Monatsende mit dem Bankmanagement über Mindestmargen und Vertriebsvorgaben zu diskutieren. Denn dabei habe sie sich stets in einem Interessenkonflikt befunden. „Entweder ich habe als Berater den Hut des Kunden auf – oder den der Bank“, sagt sie. Jetzt habe sie sich endgültig für den Kunden entschieden. „Wer einen ordentlichen Job für seine Kunden machen möchte, darf keine konzerngesteuerten Produktvorgaben haben.“ 20 Jahre war Inge Schäfer-Schmidbauer „Bankerin“ – für Goldman Sachs, Deutsche Bank und zuletzt Credit Suisse. Lange Zeit habe sie mit „viel Freude bei Banken gearbeitet“. Zum Bruch kam es 2009. Obwohl ihr damaliger Arbeitgeber ihren Angaben zufolge eine „offene Produktarchitektur“ propagierte, nahm der Druck, konzerneigene Produkte zu verkaufen, mit Ausbruch der Finanz- und Bankenkrise 2008 zu. Neben der höheren Gewinnmarge bei eigenen Produkten hätten jetzt unkalkulierbare Haftungsrisiken beim Verkauf von Produkten anderer Anbieter zu dieser Entwicklung beigetragen. Dieses Phänomen sei in der gesamten Branche zu beobachten gewesen. Viele Berater mit Private-Banking-Erfahrung wollten nur noch „raus aus der Bank“ – wie Inge Schäfer- Schmidbauer.

Stefan Terliesner in Fonds Professionell, Ausgabe 4/2013